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Crocodile Trophy

Nach meinem ersten Ironman wurde ich von Journalisten gefragt: „Was ist schwerer zu bewältigen, eine Tour de France oder ein Ironman?“

Ich konnte keine definitive Antwort geben, genauso wenig wie auf die Frage, die sie mir nach der Crocodile Trophy stellten: „Was ist schwerer, ein Ironman oder die Crocodile Trophy?“

Die Frage, auf die ich allerdings eine Antwort hatte, war, warum ich die Crocodile Trophy fahre. „Because I am a little bit crazy“, sagte ich den australischen Journalisten. Fest steht auch, dass ich in den zwei Wochen der CT mehr erlebt habe, als in drei Wochen Tour de France.

Da waren zu allererst die Schmerzen, die der Körper nach den Strapazen Tag für Tag wegstecken musste. Jeden Tag, nachdem Du müde vom Rad gestiegen bist, hieß es: Zelt aufbauen, Rad putzen und Trikot waschen. Jeden Tag dasselbe. Duschen? In den ersten Tagen Fehlanzeige! Stattdessen ein kurzer Sprung in den See oder eine Katzenwäsche im nächsten Bach. Toiletten? Fehlanzeige!

In den ersten Tagen, als es durch den Regenwald ging, wurde man total eingedreckt durch die Pfützen und die aufgeweichten Straßen, die die täglichen kurzen aber heftigen tropischen Regenschauer verursachen. In den nächsten Tagen dagegen, im öden Outback, klebte roter „Bull Dust“ an der schweissnassen Haut. Bei Temperaturen von bis zu 40°C am Tag und mollig warmen 30°C in der Nacht, war das mit dem Nachtschlaf manchmal nicht
so einfach.

Mein Sitzfleisch ist durch meine 13-jährige Straßenprofi-Karriere einiges gewöhnt. Doch auf der Crocodile Trophy wurde es auf eine noch viel härtere Probe gestellt. Bereits nach drei Tagen schmerzte es so sehr, dass jeder weitere Tag ein echter Kampf mit dem Sattel war.

Ganz zu schweigen von den Fingerkuppen. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich durch die Vibrationen am Lenker ein Taubheitsgefühl ein.

Und irgendwann im Rennen kam natürlich auch die Frage auf: Warum tust Du Dir das an?
Eine genaue Antwort darauf gibt es bekanntlich nicht, aber ich weiß, dass man als Leistungssportler immer seine Grenzen sucht. Man sucht die Herausforderung und findet Befriedigung in deren Bewältigung.

Das Schönste an dieser wahnsinnigen Schinderei durch den fünften Kontinent ist, dass mit etwas Abstand nur die schönen Erinnerungen bleiben:
Meine zwei Etappensiege, dann das Gefühl der ersten Dusche nach sechs Tagen, die Freude über den ersten Kontakt mit der Zivilisation nach sieben Tagen, die Erkenntnis, dass es auch 13 Tage ohne Handynetz geht. Oder der Anblick von Kängurus, die vor einem auf der Straße sitzen und einen anstarren, der Morgennebel über einem See, an dem wir gezeltet haben, das eiskalte Getränk im Ziel, Wasserfälle, in denen wir badeten obwohl Krokodile in der Nähe lauerten – und dann natürlich das Gefühl, nach 1500 km und 13 Tagen über den Zielstrich der letzten Etappe zu fahren...

Kai Hundertmarck


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