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"Oh Mutter unseres Herrn Jesus Christus, wir
bitten Dich, uns gütig beizustehen und uns zu
beschützen in unserem radlerischen Tun!..."
So beginnt ein "offizielles Radfahrergebet",
gerichtet an die Schutzbeauftragte der katholischen
Kirche für die Interessen der Radfahrer.
Seit 1949 ist die "Madonna del Ghisallo", der
eine kleine Kirche hoch oberhalb des Comer
Sees geweiht ist, die offizielle Schutzpatronin
der Radfahrer. Der Aufstieg des unscheinbaren
Kirchleins bei Magreglio zur wohl bedeutendsten
Radler-Wallfahrtsstätte der Welt begann,
als Don Ermelindo Vigan 1944 Pfarrer des
abgelegenen Bergdorfs wurde.
Magreglio liegt traditionell an der Strecke der
Lombardei-Rundfahrt, die alljährlich die Saison
der Weltcup-Klassiker beschließt.
Don Ermelindo war, wie es sich für einen
anständigen Italiener gehört, ein begeisterter
Radsportanhänger - und ein guter Freund der
Radsport-Legende Gino Bartali. Dem "radelnden
Mönch" Bartali, der 1938 die Tour de
France gewann und zehn Jahre später noch
einmal, lag damals halb Italien zu Füßen.
Die andere Hälfte hielt bekanntlich zu dessen
jüngerem Gegenspieler Fausto Coppi und
nicht nur um die großen Duelle der beiden
Giganten ranken sich zahllose Legenden.
Der fromme "Gino nazionale" soll bei manchem
Rennen am Gipfelkreuz der Passhöhe für
ein kurzes Gebet angehalten haben und bei
der Tour de France versäumte "il vecchio" -
"der Alte" - in den Pyrenäen nie, der Muttergottes
in Lourdes seine Referenz zu erweisen.
Bei einer solchen Vorgeschichte verwundert es
nicht, dass Don Ermelindo Vigan und Gino
Bartali schließlich Papst Pius XII. darum baten,
er möge die Madonna des Kirchleins bei
Magreglio doch zur Schutzpatronin der
Radfahrer erklären. Die Petition, die auch die
Unterschriften vieler berühmter Radrennfahrer
trug, erhielt 1949 den Segen des Heiligen
Vaters und die Madonna del Ghisallo bekam
ihren ganz speziellen "Zuständigkeitsbereich"!
Seither hat sich die kleine Kirche zum wohl
weltweit bekanntesten Wallfahrtsort für Radsportler
entwickelt. Im Gewölbe der Kapelle
finden sich keine Deckengemälde, sondern
die Rennmaschinen vieler berühmter Radrennfahrer,
unter anderem die Räder, auf denen
Bartali 1948 und Coppi 1949 die Tour
gewannen und ein Stundenweltrekord-Rad
Francesco Mosers. Die Wände des Gotteshauses
sind übersät mit Trikots, Wimpeln,
Plaketten und Dankestafeln.
Nicht nur Rennfahrer-Legenden wie Eddy
Merckx oder Miguel Indurain, sondern auch
zahllose Amateure und Hobby-Radsportler
sind überzeugt davon, dass die Madonna
del Ghisallo manches Mal ihre schützende
Hand über sie gehalten hat.
Wer eine Pilgerreise zur Madonna del
Ghisallo unternehmen möchte, sollte zumindest
die letzten Kilometer von Bellagio am Comer
See hinauf zur Kapelle in Magreglio stilecht
auf dem Rennrad zurücklegen.
Die 9,5 km lange Strecke mit zwei Anstiegen
um insgesamt 550 Höhenmeter und Steigungen
bis zu 14 % hat es durchaus in sich,
wovon sich die Profis alljährlich bei der
Lombardei-Rundfahrt überzeugen können.
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