oder
Tagebuch einer (fast) ganz normalen Woche im Leben
von Oliver Klaus und Thomas Ertl
1.Etappe: 9.00 Uhr START (Oberammergau nach Imst, 109km, 2226 Höhenmeter)
Super Wetter, Sonne, es wird heiß! 1100 Hobby-Fahrer
auf einen „Haufen“, das sieht man nicht alle Tage.
Beeindruckend! Es geht die ersten 80 km ziemlich
nervös voran, aber trotzdem auf einem technisch wie
sportlich hohen Niveau über die ersten Hügel.
Pulswert um die 150 Schläge...
11.30 Uhr Der erste Bergpass! Hahntenjoch! Die Spreu
trennt sich vom Weizen… Die letzten 3 km bergauf
habe ich Krämpfe…Zähne zusammenbeißen!
Zu wenig getrunken? Zu wenig trainiert? Zu schnell
gestartet?
Viele Fragen kommen auf…egal. Weiter geht’s und
morgen wird alles besser!
Auf der letzten Abfahrt hat mein Teampartner
„Plattfuß“. 20 min Zeitverlust!
13.00 Uhr Zielankunft – völlig erledigt!
Und nun: leere Depots wieder auffüllen (Essen,Trinken,Regenerieren,)
18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag (Bike-
und Technikkontrolle, Briefing)
2.Etappe: 10.00 Uhr START
(Imst nach Iscgl, 146km, 3.195 Hm)
Wieder super Wetter…sehr heiß!
Die längste Etappe dieser Tour!
Ich fühle mich wie „Flasche leer“, von
Oberschenkelkrämpfen geplagt…
Wieder Fragen über Fragen…Was ist nur los? Warum?
Wieso? Alles Kopfsache denke ich….Zähne zusammen
beißen und treten! Und natürlich immer bergauf! Wie
früher zu meiner aktiven Zeit. 14.00 Uhr Der Berg nimmt kein Ende…meine Krämpfe
werden stärker!
Runter vom Rad und schieben! Viele viele Fahrer
fahren lächelnd an mir vorbei. Selbst Schuld, denke
ich, ich habe es ja so gewollt! 15.50 Uhr Zielankunft! Völlig kaputt und am Rande
der Verzweiflung!
Gespräch mit dem Medicalpoint; Diagnose:
Magnesiummangel;
Massagetermin 16.55 Uhr
Leere Depots wieder auffüllen (Essen,Trinken,Regenerieren,)
18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag (Bike-
und Technikkontrolle, Briefing )
Mein Teampartner hat erhebliche Knieschmerzen und
sitzt deshalb die letzten 30km im Rescue-Fahrzeug,
2 Stunden Zeitaufschlag, wir sind in der
Gesamtwertung weit nach hinten gerutscht!
Was soll das noch werden?
3.Etappe: 10.00 Uhr START
(Ischgl nach Scuol, 101km, 2223 Hm)
Super Wetter… Sonne, es wird heiß!
Der erste Tag ohne Oberschenkelkrämpfe! Trotzdem
entspricht mein Leistungsvermögen nicht dem, was ich
sonst an Leistungen abrufen kann, fühle mich immer
noch wie „Flasche leer“. 12.33 Uhr Pillerhöhe! Extrem steil (20%) und eine
Mörderhitze! Da reicht meine Übersetzung fast nicht
aus (39/27) Trittfrequenz 45! Pulsschläge um die
150, aber trotzdem saft- und kraftlos! Beißen,
beißen, beißen! 14.03 Uhr Zielankunft. Mein Teampartner kommt nur 11
Minuten nach mir ins Ziel…trotz Kniebeschwerden.
Leere Depots wieder auffüllen (Essen, Trinken,
Regenerieren,) 18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag(Bike-
und Technikkontrolle, Briefing)
4.Etappe: 10.00 Uhr START
(Scuol – Pontresina, 127km, 3613 Hm)
Super Wetter….Sonne, es wird heiß!
Eine schwere und lange Etappe. 14.03 Uhr Der „Albulapass“ nimmt kein Ende…meine
Physis ist zäh und alles ist ein Kampf. Wenigsten
keine Oberschenkelkrämpfemehr. Hinzu kommt die doch
ungewohnte Nahrungsaufnahme. Immer wieder Gel,
Riegel, Obst und Trinken Mein Magen ist ziemlich
sensibel geworden und am Rande der „Verweigerung“ 15.43 Uhr Zielankunft.
Leere Depots wieder auffüllen
(Essen, Trinken, Regenerieren,)
18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag (Bike-
und Technikkontrolle, Briefing)
5. Etappe: 10.00 Uhr START (Pontresina nach Bormio,
133km, 3160 Hm)
Super Wetter….Sonne, heiß!
Heute zwei Pässe: “Ofenpass“ und „Stilfzer Joch“.
Alles Kopfsache und ich fahre meinen Rhythmus… ich
habe das Gefühl, dass ich langsam in den Tritt
komme… gewisse Leichtigkeit macht sich breit, auch
wenn das Stilfzerjoch nicht ganz in der
Spitzengruppe erreicht wurde.
Schaun mer mal…. 16.05 Uhr Zielankunft
Leere Depots wieder auffüllen (Essen, Trinken,
Regenerieren)
18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag (Bike-
und Technikkontrolle, Briefing)
6. Etappe: 10.00 Uhr START (Bormio nach Madonna di
Campiglio, 95km, 2974 Hm)
Wetter: Regen, Temperaturen um die 12 Grad,
Vorhersage für die Passhöhe “Garvia“ 5 Grad und
Regen! Nur die Harten kommen in den Garten… die
Weichen unter die Eichen.
11.30 Uhr Gute Beine und alles sehr geschmeidig. Zum
ersten mal bei dieser Tour macht Quälen Spass. Je
weiter die Tour in Richtung Italien verläuft, umso
besser wurde das Wetter!
Mein Teampartner hatte immer noch leichte
Knieschmerzen und wir treffen die Vereinbarung, dass
jeder für sich entscheiden muß was er tut, Aufgeben
oder Dranbleiben 13.55 Uhr Zielankunft
Leere Depots wieder auffüllen (Essen, Trinken,
Regenerieren)
18.00 Uhr Vorbereitungen für den morgigen Tag (Bike-
und Technikkontrolle,Briefing)
7. Etappe: 10.00 Uhr START
(Madonna di Campiglio nach Riva del Garda, 71km,
1418 Hm)
Wetter gut, sonnig 25 Grad.
Roadbiken kann so viel Spass machen! Kraftvoll,
Geschmeidig und voller Tatendrang…..Gute Beine gute
Laune, Kurz und schmerzlos! 13.02 Uhr. Zielankunft, nur 15 min nach dem Sieger!
Geht doch! (warum erst jetzt?) 18.00 Uhr. Big Party und Siegerehrung mit
Überreichung der Finisher-Trikots ! 24.00 Uhr: Und nächstes Jahr bin ich wieder dabei!
Viele viele positive Eindrücke waren bei dieser Tour
inclusive, sei es landschaftlich oder aber auch
mental. Nicht immer hatte man gleich einen Blick
dafür. Aber am Ende der Tour erinnert man sich gern
daran.
Oliver Klaus und Thomas Ertl nahmen an der Jeantex
Road-Transalp-Tour 2005 mit 1.100 Teilnehmern (550
Teams) teil. Die Gesamtstrecke betrug 782 km mit
18.810 Höhenmetern. Sie finishten nach 33h 33min 21
sec (Oliver Klaus) bzw. 41h 31 min 18sec (Thomas
Ertl)
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